Heute schon Teil 3 des Sew-Alongs und langsam wird es ernst
Hier also mein Stoff, ein wunderbar weicher Mantelvelour aus Schurwolle mit Kaschmiranteil. Einzigster Nachteil: er ist schwarz und nicht mitternachtsblau. Aber ich kann die 4.5m ja auch nicht einfach wegschmeissen
Die Suche nach einen Futter nach meinem Geschmack gestaltet sich schwierig, ich habe gestern zwar etwas Crepe mitgenommen, aber ich denke, daraus werde ich dann nächstes Frühjahr ein Kleid für meine Schwiegermutter nähen
Gewünscht hätte ich mir eher soetwas.
Ein festes Poliester/Acetatfutter in Kontrastfarbe mit dezentem Muster. Kirschrot wäre toll. Ich bevorzuge zum Abfüttern von Mänteln die etwas kräftigen, festeren Futterqualitäten. Häufig sind diese in Atlasbindung gewebt, was sie besonders glatt macht. Beim Nähen kann dies etwas mühevoller sein, dafür sorgt die Glätte später dafür, dass man sich im Mantel frei bewegen kann. Es klebt nichts fest.
Weniger emfehlenswert finde ich besonders für einen schweren Wintermantel die sehr dünnen, günstigen Poliesterqualitäten. So einen Wintermantel trägt man in der Regel ja mehrere Winter und dementsprechend wird das Futter beansprucht. Gerade die Ärmeleinsatznähte und die Rückenmittelnaht reissen dann gern aus.
Bei Lucy, die heute Gastgeberin des Sew-Along ist, findet ihr eine Wissenssammlung zu Mantelstoffen, Einlagen etc.
Ich möchte auch gern ein wenig mit meinen Erfahrungen weiterhelfen. Leider ist meine Kamera nun endgültig kaputt gegangen und die Qualität der Telefon-Fotos lässt sehr zu wünschen übrig
Lucy erwähnt in ihrem Artikel Rosshaareinlagen, aber ich kenn kaum jemanden, der heutzutage noch damit arbeitet. Ausser vielleicht traditionelle Herrenschneider. Die Verarbeitung ist nicht einfach, sehr zeitaufwändig und braucht viel Erfahrung. Ich würde sie nur für Stoffe empfehlen, die nicht gebügelt werden können.
Ansonsten habe ich zur Fixierung von grossflächigen Teilen mit Gewebeeinlagen bessere Erfahrungen gemacht als mit Vlieseinlagen. Gewebeinlagen besitzen ein dünnes Grundgewebe als Untergrund auf der der Klebstoff aufgebraucht ist. Je nach Stärke des Grundgewebes und der Menge des Klebers erhält man unterschiedliche Ergebnisse.
Sehr gute Erfahrungen habe ich mit dieser Einlage gemacht.
Diese Einlage ist eher weich bis mitteldick und man erkennt sie an gut erkennbaren Querfäden, während die Längsfäden sehr dünn und fast unsichtbar sind. Die ideale Einlage für Vorderteile, Belegen, Kragen, Zugaben an Säumen und Schlitzen.
Sehr dünne, feine Ergebnisse erzielt man mit dieser Einlage. Das Grundgewebe ist in alle Richtungen dehnbar und sie lässt sich schwer passgenau zuschneiden. Bei grossen Flächen schneide ich daher grob zu, bügle sie leicht an und schneide überstehende Reste ab. Erst nach der endgültigen Fixierung zeichne ich mit Schneiderkreidemine meine Nahtlinie an.
Diese Einlage benutze ich gern für leichte Kragen oder Belegen. Auch für die Fixierung der Saumzugaben ist sie gut geeignet.
Von Vlieseline gibt es auch eine sehr dünne Gewebeeinlage, leider hab ich keine Bezeichnung. Vielleicht kann jemand aushelfen?
Weniger geeignet für die Verstärkung der Vorderteile sind sogenannte Bügelbatiste. Sie werden sehr fest und steif und eignen sich eher für Korsagen zum Beispiel. Beim Wintermantel kann man damit aber sehr gut den Steg am Kragen verstärken. Dadurch bekommt der Kragen den nötigen Stand am Hals. Für den Oberkragen ist sie aber nicht geeignet.
Während meiner Ausbildung habe ich mehrere Fortbildungen von Vlieseline besuchen dürfen. Dort bekamen wir wertvolle Tips, zum Beispiel zum aufbügeln. Dazu schreib ich aber noch einen Extraartikel.
Zum Schluss noch die Schulterpolster. Verzichten sollte man darauf auf keinen Fall. Im Schneiderbedarf gibt es Polster in verschiedenen Stärken, die sich auch dem Armloch entsprechend verschnitten werden können.
Hier kann man die verschiedenen Stärken sehen
Diese hier tragen garantiert nicht auf, sorgen aber für eine saubere Schulterpartie.
Jetzt schaue ich mir noch an, was ihr so für Mantelstoffe habt. Heute bei Lucy.











Wow, wie spannend! Danke für den lehrreichen Post!
Toll, Danke! Besonders für die Bilder der richtigen Schulterpolster. Über Einlagen kann man sich im Internet einfach wahnsinnig schwer unterhalten, es sei denn, alle lernen die Vlieseline-Nummern auswendig
Es gibt von VL auch eine dehnbare, dünne Sorte, aber die Nummer weiß ich nicht. Abseits der großen Städte kann man sowieso froh sein, wenn man zwei Sorten Einlage zur Auswahl bekommt. ich bin gespannt auf die Vlieseline-Tipps!
Gerties Faible für Rosshaar finde ich auch etwas befremdlich, sie wurde auch schon heftig dafür kritisiert, dass sie über sowas Kurse gibt, obwohl sie sich die Techniken selbst erst vor kurzem durch Bücher angeeignet hat. In einem meiner alten Nähbücher wird die Herstellung einer Kostümjacke mit diesen ganzen Einlagen beschrieben – das ist dann ein Stück fürs Leben, aber man wird sowas heute nicht mehr tragen wollen.
viele Grüße! Lucy
Ich versuche morgen noch ein paar Vlieseline-Nr. dazu zuordenen. Ich denke, dass ist gerade für Nähanfänger praktisch und hilfreich für Vergleiche. Ich hab hier zwar ein paar Musterproben, aber die sind bereits völlig veraltet
Für unsere heutigen Ansprüche finde ich Rosshaareinlagen auch viel zu steif. Die Jacken die damit entstehen sind schon sehr “brettig”.
Ich habe während meiner Meisterausbildung mal ein klassisches Herrensakko nähen müssen- mit Rosshaareinlage. Das ist nie fertig geworden. Mehr muss ich dazu nicht sagen.
Liebe Lucia ,
Du bereicherst zusammen mit Lucy den Sew Along enorm – beide teilt Ihr Erfahrungen übers Mantel nähen ( Einlagen , Schulterpolster etc. ) , die ich z. B. überhaupt nicht habe . Danke dafür – das hilft sehr vor dem Anschnitt
liebe Grüsse Dodo
Der Stoff sieht meinem wirklich ähnlich.
LG, Bronte
Liebe Lucia,
danke für die Informationen. Ich würde diese Post gerne in meinem Blog in der Seitenleiste bei Tutorials und Know-how verlinken damit mir die Infos nicht verloren gehen wenn ich sie brauche. Ist das in Ordnung für dich?
Gruß Mema
Aber natürlich, dafür sind sie ja gedacht. Der Artikel wird auch noch eine Ergänzung bekommen.
Vielen Dank für deine ausführliche Beschreibung. Beim Futterstoff hatte ich z. B. gedacht, da mein Oberstoff ja schon schwer ist, nehme ich das leichteste Futter, aber strapazierfähig ist dies nun mal nicht und du hast recht, so einen Mantel trägt Frau ja mehrere Jahre.
Also ich bin sehr gespannt auf deinen Mantel!
Ich kann mir deine beige-Futter-Stoffe auch gut vorstellen.
Danke für deine ausführliche Erklärung. Echt klasse und sehr hilfreich!!
Liebe Grüße
Nina
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